Meine Fahrradweltreise

Monat: Februar 2026 (Seite 1 von 1)

GEBALLTE FRAUENPOWER UNTERWEGS


Am Freitag, den 13. Februar war es dann so weit: Eva kommt (mit Fahrrad) mit der Maschine aus Salzburg in Barcelona an. Ich treffe sie am Flughafen und zum Glück verstehen wir uns gut – wir haben uns vorher ja nie getroffen, sondern nur ein paar mal telefoniert. Nachdem sie ihr Radl ausgepackt (ein paar Radsport begeisterte Argentinier helfen ihr dabei) und wieder ganz zusammengebaut hat, radeln wir die paar Kilometer zum gebuchten Hotel in Flughafennähe. Mehr ist an diesem Tag leider nicht möglich, weil es schüttet cats and dogs.

Der nächste Tag verspricht dafür Sonne pur – wir planen eine 60km Strecke nach Canet de Mar, nördlich von Barcelona. Da es vorher so stark geregnet hat, ist der Radweg gleich zu Beginn  unserer Tour komplett überschwemmt, sodass wir uns eine (längere) Alternativroute überlegen müssen.

Dann geht es aber sehr flott dahin – durch Barcelona und dann am Meer entlang bis zu unserem Zielort, den wir am späten Nachmittag (es waren dann doch mehr als 70km) erreichen. Es ist Faschingssamstag und Valentinstag – in Canet de Mar spielt sich‘s ab. Viele Leute sind verkleidet und feiern in den Straßen. 

Eva, die gleich alt ist wie ich, hat den 1. Radltag gut gemeistert – sie ist topfit (sie hat bis vor kurzem als Fitnesstrainerin gearbeitet) und ich habe keine Zweifel, dass wir ein gutes Team bilden werden.

Weiter geht es Richtung Frankreich – die schneebedeckten Pyrenäen liegen vor uns – wir bewegen uns weg vom Meer durch kleine Dörfer. Überall blüht es, die Wiesen und Felder sattgrün nach dem vielen Regen; Vogelgezwitscher und Zitronenfalter begleiten uns – ja, hier ist tatsächlich Frühling. Es sind einige Steigungen zu bewältigen und am Nachmittag ist es so warm, dass ich kurzärmelig dahinradeln kann.

Groß ist die Freude, wenn wir dann in einer schönen und nicht alltäglichen Unterkunft Quartier beziehen dürfen. So sind wir in der Nähe von Girona in einem wunderschönen Steinhaus neben einem Bach mitten im Grünen untergekommen. Dieses B+B wird als hundefreundliche Unterkunft beworben – tatsächlich waren wir die einzigen Gäste, die keine Fellnasen dabei hatten. 

Oder wir landen in einem Hotel, das ein Thermalbad dabei hat, wo man seinen müden Knochen nach einem anstrengenden Radlertag etwas Gutes tun kann.

Die Fahrt über die Pyrenäen war keine große sportliche Herausforderung – der höchste Punkt lag bei 290m – nur der viele Schwerverkehr auf der Bundesstraße hat es ziemlich nervig gemacht.

In Frankreich geht es vorerst gemütlich dahin – zumeist am Meer entlang mit wenig Höhenmetern. Da Sturm angesagt ist, legen wir in Perpignan 2 Rasttage ein. Nicht nur starker Wind, sondern auch heftige Regenfälle und Überschwemmungen sind für Südfrankreich prognostiziert – besorgte Freunde, die aus den Nachrichten von den Unwettern erfahren haben fragen regelmäßig nach, ob es mir eh gut geht. Ja, uns geht es gut – an den Sturm- und Regentagen pausieren wir ohnehin.

Und an Überschwemmungen haben wir uns bereits gewöhnt – Eva zieht dann Schuhe und Socken aus (ich behalte sie an – zum Glück scheint die Sonne, sodass alles bald wieder trocken ist) und wir waten dann durch das Wasser, bis wir wieder im Trockenen sind. Der heftige Sturm hat sehr viele Bäume entwurzelt – auch hier muss man hart im Nehmen sein, wenn so ein Baumriese den Weg versperrt. Entweder kann man irgendwie drüber oder rundherum kraxeln (was mit dem voll bepackten Rad eine challenge darstellt) oder man fährt ein Stück zurück, kraxelt eine Böschung rauf (das Rad und die Taschen müssen natürlich auch mit)- schlägt sich durch dichtes Gestrüpp, um auf der anderen Seite die Böschung runterzukraxeln und dort auf einem alternativen Weg weiter zu radeln. Ja, man muss sehr kreativ sein und empfindlich darf man auch nicht sein.

Aufgrund der angespannten Hochwassersituation rund um Bordeaux haben wir unsere Route abgeändert. Anstatt nach Paris (und damit Richtung Norden) werden wir nach Udine (und damit Richtung Osten) radeln. Von Udine gibt es gute Zugverbindungen nach Villach, sodass wir uns die lange Rückreise von Paris nach Ö ersparen. 

Da wir den Canal du Midi (Kanal des Südens) aber zumindest teilweise radeln wollen, beschließen wir, mit der Bahn von Narbonne (so eine bezaubernde Stadt!!) nach Carcassonne zu fahren und von dort bis Sete am Mittelmeer zu radeln; dann geht es weiter am Meer entlang bis Genua und über Cremona und Treviso nach Udine. So schaut jetzt einmal der Plan aus – in 4 Wochen sollte sich das locker ausgehen.

Den 1. Teilabschnitt des Canal von Carcassonne nach Beziers haben wir bereits hinter uns – herausfordernd waren die umgestürzten Bäume – aber mit vielen tollen Eindrücken.

Und auch hier wieder spezielle Unterkünfte: letzte Nacht waren wir in der Schwanenvilla in Paraza. Ein B+B, betrieben von einem älteren deutschen Ehepaar mit Namen Schwanenflügel. Karl, der Herr des Hauses hat uns am Abend mit einem delikaten Spitzkohl asiatisch (ich hab ihn gleich nach dem Rezept gefragt) mit selbst gebackenem Roggenbrot verwöhnt und seine Frau Suse, die für das Frühstück zuständig ist hat eine Auswahl feinster französischer Käse- und Schinkenspezialitäten, ausserdem diverse hausgemachte Marmeladen aufgetischt. Wir fühlten uns wie Gott in Frankreich.

Und momentan sind wir im Gefängnis in Beziers, einer der ältesten Städte Frankreichs. Eine Unterkunft ganz nach meinem Geschmack. Sehr speziell – sehr anders. Das ehemalige Gefängnis (bis 2009 in Betrieb) wurde tatsächlich in ein Hotel umgewandelt. Einfache Zellen (mit weichen Betten) und sehr schönem Bad. Ja, hier lässt es sich aushalten – morgen geht es aber schon weiter: Sonnenschein ist angesagt und wir wollen das Frühlingswetter nützen, um nach Sete zu radeln.

Eva ist gelandet – ihr Rad noch verpackt – das unverpackte gehört mir

argentinische Touristen helfen beim Auspacken

Los gehts – unser 1. gemeinsamer Radlertag

alles grün

wie schön – Unterkunft mit Thermalbad

Ein netter Plausch mit Juan von Cycle Tours Catalonia

Plakat im Hundehotel

Kraniche

halb verwestes Wildschwein am Strassenrand

Pyrenäen

Da muss man durch!

Narbonne

Narbonne

Ein Glas Rose in der Schwanenvilla

Idylle am Canal du Midi

wieder mal ein Patschen

Beziers

im Häfn

unsere Zelle

unsere korrigierte Route zurück Richtung Ö

DEN FRÜHLING ENTLANG RADELN

Um im Frühjahr wieder zu Hause zu sein, habe ich verschiedene Möglichkeiten des Reisens: Der schnellste Weg ist natürlich das Flugzeug – man kann das Fahrrad ja verpackt im Flieger mitnehmen.

Da es aber so viel Interessantes am Weg nach Mitteleuropa zu sehen gibt und außerdem ab Februar in Spanien angenehme Radl-Temperaturen zu erwarten sind, reift in mir der Plan, die Strecke mit dem Rad zurück zu legen. Von Cadiz (dort kommt die Fähre von den Kanaren an) soll es radelnd weiter gehen ans Mittelmeer bis Sete in Frankreich. Anschließend den Canal du Midi entlang bis Bordeaux und dann am Eurovelo 3 bis Paris. Es gibt nur eine kurze Überschneidung mit der Strecke, die ich letztes Jahr geradelt bin. Ca. 2600km – das ist in 2 Monaten leicht zu schaffen.

Zu zweit ist es immer angenehmer unterwegs zu sein – daher platziere ich eine Anzeige auf der Reiseplattform (Mitradler/in für die Strecke Cadiz-Paris gesucht) – mal schauen, wer sich so kurzfristig meldet und sich auf dieses Abenteuer mit mir einlässt. Ein vorheriges Treffen ist ja auch nicht möglich, weil potentielle Mitradler aus dem DACH-Raum stammen (es ist eine deutschsprachige Plattform). Es melden sich ein paar Deutsche, aber auch 2 Österreicher. Wolfi aus Wiener Neustadt ist sehr interessiert – wir telefonieren auch gleich und sind einander sympathisch. Es gibt nur einen kleinen Haken – er muss erst mit der Firma abklären, ob er so lange Urlaub bekommt. Die 2. Interessentin ist Eva aus Salzburg. Sie muss aber noch bis Ende März arbeiten, dann hätte sie genügend Zeit, weil sie in Pension ist. Ende März will ich bereits in Ö sein, d.h. Eva kommt dann doch nicht in Frage.

Dann heisst es wieder mal Abschied nehmen von Rupi, meinem Segler. Er bleibt noch bis April am Boot auf den Kanaren, bevor er zurückfliegt nach Ö. Zum Glück muss ich kein schlechtes Gewissen haben, weil ich ihn allein lasse – eine Freundin aus Vorarlberg hat sich angesagt und sie wird die restlichen Monate auf dem Boot sein, für das kulinarische Wohl sorgen und die ein oder andere Partie Romme mit Rupi spielen. 

Die ziemlich turbulente Überfahrt (mit hohen Wellen) zum spanischen Festland auf der Armas-Fähre dauert 50 Stunden – ich habe eine Kabine gebucht und das Geschaukle sorgt (zumindest bei mir) für einen tiefen Schlaf.

Angekommen in Cadiz beziehe ich mein Zimmer in einem wunderschönen Convent, in welchem ein cooles Hotel untergebracht ist. Wolfi teilt mir dann mit, dass er leider keinen Urlaub bekommt – schade! Dafür meldet sich Eva wieder: sie könnte es einrichten, dass sie bereits ab Mitte Februar mit mir radelt. Telefonisch klären wir noch einige Details und fixieren dann, dass wir uns in Barcelona am Flughafen treffen und dann gemeinsam weiterradeln. Sie freut sich schon narrisch auf die Tour – und ich mich natürlich auch.

Die Wettervorhersage in Cadiz ist nicht gerade berauschend: In den nächsten Tagen ist starker Regen und Sturm angesagt – also checke ich gleich die Bahnverbindungen nach Malaga. In den Media Distancia Zügen darf man Fahrräder (ohne Zuschlag) mitnehmen. Das Ticket ist schnell online gebucht – am nächsten Morgen geht es nach einem feinen Frühstück im Convent bei strömendem Regen zum nahe gelegenen Bahnhof. 

Die verregnete  Bahnfahrt an die Mittelmeerküste führt durch landwirtschaftlich genutztes Gebiet – in vielen Wiesen und Feldern steht das Wasser. In Malaga, wo ich am frühen Nachmittag ankomme, scheint aber wieder die Sonne. 

Jetzt kann es also losgehen mit dem Radeln – zumeist am Meer entlang, dann aber immer wieder in die Berge, sodass doch einige Höhenmeter zu bewältigen sind. Meine Tagesetappen plane ich sehr gemütlich: 60 – 70 km und Übernachtung in kleinen Hotels und B&B‘s. Immer bei der Planung berücksichtigen: das Wetter. In Andalusien spielt es sich momentan ja ziemlich ab und die Ausläufer dieses mächtigen Tiefs über der iberischen Halbinsel bekomme auch ich zu spüren. Nicht so sehr der Regen, sondern der Wind macht mir Probleme. Starker Gegen- oder Seitenwind macht es fast unmöglich, voranzukommen. Und Windböen sind überhaupt gefährlich. 

Vergangene Woche – ich war grad zwischen  Malaga und Almería unterwegs: starker Rückenwind, der mich schnell vorantreibt und dann kommt plötzlich eine heftige Böe von der Seite, die mich umschmeisst. Mein erster Sturz! Dabei habe ich noch Glück – ich stürze nämlich auf den Seitenstreifen und nicht in die Fahrbahn der Bundesstrasse.  2 Autos halten sofort an – „Todo esta bien?“ fragen die besorgten Fahrer.  „Si, todo bien!“ beruhige ich sie (und mich). So, jetzt heißt’s aufstehen, Krone (Helm) richten und weiterfahren – nein, weiterfahren will ich an diesem Tag nicht mehr! Ich hab mir zwar nicht wehgetan – ausser einem blauen Fleck am Oberarm erinnert nichts mehr an den Sturz – aber der Wind bläst so heftig, dass ich mich nicht weiterer Gefahr aussetzen will. Da ich mich gerade am Ortseingang einer kleinen Gemeinde befinde, beschließe ich, mir für die restlichen 30km ein Taxi zu suchen. Im Zentrum findet ein Markt statt – ich schau mich mal um, ob ich irgendwo ein Taxi erspähe. Nichts. Dann werde ich halt einfach jemanden (mit passendem Gefährt) fragen, ob er mich mitsamt Rad zum Zielort bringen kann. Ah, da steigt grad ein älterer Mann in einen Pick-up, wo er seine Einkäufe verstaut. Also frage ich ihn, ob er mich und mein Rad nach La Curva bringen kann – natürlich gegen Bezahlung. Er ist sehr nett – muss mir aber absagen, weil er dringend seine Einkäufe nach Hause bringen muss, wo seine Frau schon wartet. „Gibt es hier Taxis?“ frage ich ihn noch. Er weiss es nicht – er wohnt irgendwo am Land und ist eher selten hier. Ich frage noch ein paar andere Leute, ob es Taxis gibt – leider wissen die das auch nicht. Okay, nächster Versuch. Auf einem Parkplatz seh ich einen Kastenwagen – der Fahrer unterhält sich grad mit einem Passanten. Also frage ich auch ihn, ob er mich und Rad nach La Curva bringen kann. „Das ist ein Firmenwagen und ich muss für die Firma was erledigen – daher leider nein.“ „Hay taxis aqui?“ frage ich ihn noch. „Si, claro!“ meint er – zückt sein Handy und ruft jemanden an. 10 Minuten später sitze ich in einem Mercedes Kombi – die hintere Sitzreihe umgelegt, sodass auch mein Bici Platz hat und bequem geht es direkt zur Unterkunft nach La Curva. Der Taxifahrer ist selber auch Radfahrer und interessiert sich sehr für meine Radreise. Besonders beeindruckt ist er, dass ich mit dem Rad in die Sahara gefahren bin – „Und das ganze ohne Motor!!!“ – er kann es fast nicht fassen.

In La Curva checke ich in einem ziemlich abgefuckten Landgasthaus ein. Mangels Alternativen beschließe ich, im dazugehörigen Restaurant eine Kleinigkeit zu essen. Es ist sehr gut besucht – lauter Einheimische; Touristen verirren sich hierher wahrscheinlich nie. Und dann die Überraschung: die Paella schmeckt verdammt gut. Dazu ein Estrella Galicia. Als Dessert noch ein hausgemachter Flan de Huevo. Macht € 9,00 alles zusammen. Die letzte Paella habe ich in Salamanca (viele Touristen) gegessen: € 14,00 für ein fades Reisgericht, das ich nur aufgegessen habe, weil ich hungrig war.

La Curva liegt bereits im Einzugsgebiet von Almeria – das ist die Gegend, aus welcher ein Großteil der in unseren Supermärkten im Winter angebotenen Gurken, Tomaten, Paprika,…. stammt. Gewächshäuser soweit das Auge reicht – auch das Aussehen der Orte, die ich mit dem Rad durchquere, spiegelt diese Tatsache wider. Man sieht viele Schwarzafrikaner – wahrscheinlich sind die meisten auf Seelenverkäufern übers Meer gekommen – sie malochen in diesen Gewächshäusern für einen Hungerlohn und sorgen dafür, dass es bei uns im Winter günstiges Gemüse gibt. Die kleinen Lebensmittelläden werden fast ausschliesslich von Marokkanern betrieben – Spanier sieht man eher selten. 

Kurze Zeit später wieder an der Küste – was für ein Kontrast:  seelenlose Touristenorte mit dicht aneinander gebauten 10-12 stöckigen Apartmenthäusern. Ich empfinde diese Retortendörfer nur abstoßend und abschreckend – man sieht dort auch keine Menschenseele. Wo sind die Leute – oder vielleicht sind dort lauter Zombies, die nur des Nachts aus ihren Löchern gekrochen kommen? 

Ich durchquere dann aber auch sehr schöne Gegenden – Naturparks mit losem, gut befahrbarem Untergrund. Überall blüht es, die Vögel zwitschern, es hat fast 20 Grad – kurzärmeliges Radeln ist angesagt. Zwischendurch immer wieder Ausblicke auf das Meer – so macht es richtig Spass. Von mir aus kann es so weiter gehen!

Cadiz – Paris

Meine Kabine auf der Fähre von den Kanaren nach Cadiz

meine Unterkunft im Convent in Cadiz

Raus gehts aus Malaga – mein 1. Radlertag

zuerst am Meer entlang

rauf in die Berge

zwischendurch loser Untergrund

Ein wahrer Spruch auf einem Wohnmobil

Rechts lauter Gewächshäuser in der Region um Almeria

Valencia Nordbahnhof

Valencia Nordbahnhof

Valencia – Ciudad de las Artes y las Ciencias

Valencia

Valencia

weiter gehts Richtung Norden

den EuroVelo 8 entlang

durch eine seelenlose Retortensiedlung

alles blüht

vorbei an Artischokenfeldern

Und Karfiol

Liebe Grüße an die Lesemäuse