Am Freitag, den 13. Februar war es dann so weit: Eva kommt (mit Fahrrad) mit der Maschine aus Salzburg in Barcelona an. Ich treffe sie am Flughafen und zum Glück verstehen wir uns gut – wir haben uns vorher ja nie getroffen, sondern nur ein paar mal telefoniert. Nachdem sie ihr Radl ausgepackt (ein paar Radsport begeisterte Argentinier helfen ihr dabei) und wieder ganz zusammengebaut hat, radeln wir die paar Kilometer zum gebuchten Hotel in Flughafennähe. Mehr ist an diesem Tag leider nicht möglich, weil es schüttet cats and dogs.
Der nächste Tag verspricht dafür Sonne pur – wir planen eine 60km Strecke nach Canet de Mar, nördlich von Barcelona. Da es vorher so stark geregnet hat, ist der Radweg gleich zu Beginn unserer Tour komplett überschwemmt, sodass wir uns eine (längere) Alternativroute überlegen müssen.
Dann geht es aber sehr flott dahin – durch Barcelona und dann am Meer entlang bis zu unserem Zielort, den wir am späten Nachmittag (es waren dann doch mehr als 70km) erreichen. Es ist Faschingssamstag und Valentinstag – in Canet de Mar spielt sich‘s ab. Viele Leute sind verkleidet und feiern in den Straßen.
Eva, die gleich alt ist wie ich, hat den 1. Radltag gut gemeistert – sie ist topfit (sie hat bis vor kurzem als Fitnesstrainerin gearbeitet) und ich habe keine Zweifel, dass wir ein gutes Team bilden werden.
Weiter geht es Richtung Frankreich – die schneebedeckten Pyrenäen liegen vor uns – wir bewegen uns weg vom Meer durch kleine Dörfer. Überall blüht es, die Wiesen und Felder sattgrün nach dem vielen Regen; Vogelgezwitscher und Zitronenfalter begleiten uns – ja, hier ist tatsächlich Frühling. Es sind einige Steigungen zu bewältigen und am Nachmittag ist es so warm, dass ich kurzärmelig dahinradeln kann.
Groß ist die Freude, wenn wir dann in einer schönen und nicht alltäglichen Unterkunft Quartier beziehen dürfen. So sind wir in der Nähe von Girona in einem wunderschönen Steinhaus neben einem Bach mitten im Grünen untergekommen. Dieses B+B wird als hundefreundliche Unterkunft beworben – tatsächlich waren wir die einzigen Gäste, die keine Fellnasen dabei hatten.
Oder wir landen in einem Hotel, das ein Thermalbad dabei hat, wo man seinen müden Knochen nach einem anstrengenden Radlertag etwas Gutes tun kann.
Die Fahrt über die Pyrenäen war keine große sportliche Herausforderung – der höchste Punkt lag bei 290m – nur der viele Schwerverkehr auf der Bundesstraße hat es ziemlich nervig gemacht.
In Frankreich geht es vorerst gemütlich dahin – zumeist am Meer entlang mit wenig Höhenmetern. Da Sturm angesagt ist, legen wir in Perpignan 2 Rasttage ein. Nicht nur starker Wind, sondern auch heftige Regenfälle und Überschwemmungen sind für Südfrankreich prognostiziert – besorgte Freunde, die aus den Nachrichten von den Unwettern erfahren haben fragen regelmäßig nach, ob es mir eh gut geht. Ja, uns geht es gut – an den Sturm- und Regentagen pausieren wir ohnehin.
Und an Überschwemmungen haben wir uns bereits gewöhnt – Eva zieht dann Schuhe und Socken aus (ich behalte sie an – zum Glück scheint die Sonne, sodass alles bald wieder trocken ist) und wir waten dann durch das Wasser, bis wir wieder im Trockenen sind. Der heftige Sturm hat sehr viele Bäume entwurzelt – auch hier muss man hart im Nehmen sein, wenn so ein Baumriese den Weg versperrt. Entweder kann man irgendwie drüber oder rundherum kraxeln (was mit dem voll bepackten Rad eine challenge darstellt) oder man fährt ein Stück zurück, kraxelt eine Böschung rauf (das Rad und die Taschen müssen natürlich auch mit)- schlägt sich durch dichtes Gestrüpp, um auf der anderen Seite die Böschung runterzukraxeln und dort auf einem alternativen Weg weiter zu radeln. Ja, man muss sehr kreativ sein und empfindlich darf man auch nicht sein.
Aufgrund der angespannten Hochwassersituation rund um Bordeaux haben wir unsere Route abgeändert. Anstatt nach Paris (und damit Richtung Norden) werden wir nach Udine (und damit Richtung Osten) radeln. Von Udine gibt es gute Zugverbindungen nach Villach, sodass wir uns die lange Rückreise von Paris nach Ö ersparen.
Da wir den Canal du Midi (Kanal des Südens) aber zumindest teilweise radeln wollen, beschließen wir, mit der Bahn von Narbonne (so eine bezaubernde Stadt!!) nach Carcassonne zu fahren und von dort bis Sete am Mittelmeer zu radeln; dann geht es weiter am Meer entlang bis Genua und über Cremona und Treviso nach Udine. So schaut jetzt einmal der Plan aus – in 4 Wochen sollte sich das locker ausgehen.
Den 1. Teilabschnitt des Canal von Carcassonne nach Beziers haben wir bereits hinter uns – herausfordernd waren die umgestürzten Bäume – aber mit vielen tollen Eindrücken.
Und auch hier wieder spezielle Unterkünfte: letzte Nacht waren wir in der Schwanenvilla in Paraza. Ein B+B, betrieben von einem älteren deutschen Ehepaar mit Namen Schwanenflügel. Karl, der Herr des Hauses hat uns am Abend mit einem delikaten Spitzkohl asiatisch (ich hab ihn gleich nach dem Rezept gefragt) mit selbst gebackenem Roggenbrot verwöhnt und seine Frau Suse, die für das Frühstück zuständig ist hat eine Auswahl feinster französischer Käse- und Schinkenspezialitäten, ausserdem diverse hausgemachte Marmeladen aufgetischt. Wir fühlten uns wie Gott in Frankreich.
Und momentan sind wir im Gefängnis in Beziers, einer der ältesten Städte Frankreichs. Eine Unterkunft ganz nach meinem Geschmack. Sehr speziell – sehr anders. Das ehemalige Gefängnis (bis 2009 in Betrieb) wurde tatsächlich in ein Hotel umgewandelt. Einfache Zellen (mit weichen Betten) und sehr schönem Bad. Ja, hier lässt es sich aushalten – morgen geht es aber schon weiter: Sonnenschein ist angesagt und wir wollen das Frühlingswetter nützen, um nach Sete zu radeln.

Eva ist gelandet – ihr Rad noch verpackt – das unverpackte gehört mir

argentinische Touristen helfen beim Auspacken

Los gehts – unser 1. gemeinsamer Radlertag

alles grün

wie schön – Unterkunft mit Thermalbad


Ein netter Plausch mit Juan von Cycle Tours Catalonia



Plakat im Hundehotel

Kraniche

halb verwestes Wildschwein am Strassenrand

Pyrenäen

Da muss man durch!



Narbonne

Narbonne




Ein Glas Rose in der Schwanenvilla




Idylle am Canal du Midi

wieder mal ein Patschen


Beziers

im Häfn


unsere Zelle



unsere korrigierte Route zurück Richtung Ö