Die letzten ca. 1000 Kilometer unserer Tour führen uns innerhalb von zweieinhalb Wochen von Sete, dem „Klein-Venedig des Languedoc“ bis nach Udine, eine der wichtigsten Städte des Friaul.
Vorbei geht es an unzähligen Kolonien an Rosa-Flamingos, die das Schwemmland in der Camargue bevölkern. Dabei lässt sich immer wieder der sogenannte Wing-Salute beobachten, womit die Vögel die besonders farbintensiven Teile ihrer Flügel demonstrieren.
Der Rhone-Sete Canal bringt uns dann direkt nach Avignon, einer wunderschönen Stadt, wo wir einen Rasttag einlegen. Die Stadt ist nicht nur berühmt für ihre Brücke, sondern auch für ihre unzähligen Theater – viele Stücke werden in Avignon uraufgeführt, um zu testen, wie sie beim Publikum ankommen. Waren es zuvor die rosa Flamingos, die unser Auge erfreut haben, ist es nun die rosa Blütenpracht der Obstbäume die uns beeindruckt – ganze Landstriche erstrahlen in unterschiedlichsten Pink-Nuancen.
Die Fahrt durch die Provence – jetzt sind wir weg von der Küste – führt uns durch viele kleine Ortschaften; es geht ständig auf und ab, sodass wir einige Höhenmeter bewältigen müssen. Und am Morgen ist es teilweise so kalt, dass man Haube und Handschuhe anziehen muss. Nach spätestens einer Stunde ist die Sonne aber bereits so intensiv, dass man die warme Kleidung wieder wegpacken kann – Frühlingsradeln ist angesagt.
In Cannes kommen wir wieder zurück an die Küste – hier ist es spürbar wärmer – mindestens 3 Grad mehr als im Landesinneren. Ein wunderschöner Radweg führt uns an der Cote d’Azur entlang bis Nizza. Immer im Blickfeld die schneebedeckten Alpen: sie erinnern uns daran, dass noch Winter ist, auch wenn wir bereits mit leichter Jacke in der Sonne dahin radeln und uns am Nachmittag ein feines Eis (€ 3,00 pro Kugel – tres cher!!!) gönnen.
Starker Wind ist angesagt – also legen wir in Nizza 2 Rasttage ein. Eva besucht einen Bekannten, der in der Nähe von Nizza lebt – ich gehe ins Marc Chagall Museum und erfreue mich an der Kunst des weißrussischen Malers. Außerdem bewundere ich die vielen Murals, die hier in Nizza erst auf den 2. Blick als solche erkennbar sind.
Die Stecke Nizza – Ventimiglia nehmen wir den Zug – der Gegenwind weht noch immer stark, ausserdem ersparen wir uns anstrengende 800 Höhenmeter.
Weiter geht es entlang der ligurischen Küste: viele mondäne Urlaubsorte (Sanremo), in welchen sich auch jetzt schon etliche Touristen tummeln. Die Straßencafés an den Promenaden sind gut besucht – man genießt die angenehmen Sonnenstrahlen; einige Hartgesottene (Eva gehört dazu) gehen auch schon ins Meer (14°C) schwimmen.
Der tolle Küstenradweg führt teilweise durch lange Tunnels (nur für Radler und Fussgänger) mit Musikbeschallung, bis wir schlussendlich in Genua ankommen.
Von Genua nach Piacenza nehmen wir ebenfalls den Zug (etliche Höhenmeter auf engen Straßen mit viel Verkehr), sodass dann bis Udine nur noch gemütliche 400 Kilometer ohne nennenswerte Steigung vor uns liegen.
Zuerst geht es in der Poebene mit unzähligen Pappelhainen immer am Wasser entlang – alles blüht. Ein lautes Summen und Brummen liegt in der Luft, vorbei geht es an vielen halb verfallenen landwirtschaftlichen Gebäuden. Nirgendwo sonst habe ich so viele Lost Places gesehen, wie in Norditalien.
Überquert wird das Wasser teilweise auch auf Pontonbrücken (aus Booten errichtet) – die Fahrt ist sehr kurzweilig, weil es so viel zu sehen gibt. Tagesetappen von 70 – 80 Km sind innerhalb kurzer Zeit abgeradelt und am Zielort gibt es ein gelato (in Italien bekommt man 2 Kugeln um € 3,50 – das beste Eis gab es in Fiume Veneto – unfassbar gut!!!)
Was auch auffällt: je weiter wir in den Norden Richtung Udine kommen, desto mehr Luxusautos (BMW, Audi, Mercedes), SUV‘s sind auf der Strasse und die Leute werden unfreundlicher und griesgrämiger – keiner grüßt mehr, während man vorher immer ein freundliches „Salve“ oder „Ciao“ hören konnte.
In Udine besteigen wir den Zug nach Österreich und nach 6 abenteuerlichen Monaten bin ich nun wieder in Wien. Über 6.000 Kilometer geradelt, 35.000 Höhenmeter bezwungen. Alles gut gegangen – nie krank geworden, kein Unfall (ausser dem durch die Windböe verursachten Sturz, der glimpflich ausgegangen ist) auch das Rad hat wieder super Dienste geleistet.
Jetzt freue ich mich auf ein Wiedersehen mit Freunden, auf ein gutes Schwarzbrot und ein Mohnflesserl mit Leberkäs. Und ab April arbeite ich wieder – auch darauf freue ich mich.
Aber wie heisst’s so schön: Nach dem Abenteuer ist vor dem Abenteuer – Pläne für den nächsten Winter werden bereits geschmiedet.


Wing-Salute

Die schnellen Mädels am Rohne-Sete Canal

Pierre, ein Jogger, zeigt uns einen Schleichweg (wir müssen wieder mal Hochwasser ausweichen)

Rhone – Sete Canal




Avignon, Stadt der Theater



Barjols, in der Provence

Lavendelfeld – wirkt momentan noch nicht spektakulär

weiter gehts nach Nizza (im Hintergrund die schneebedeckten Alpen)

erst auf den 2. Blick als Mural erkennbar – Fenster und Balkone auf der Wand hinter den Palmen sind fake (alles aufgemalt); sieht man in Nizza oft

durch den Tunnel mit Musikbeschallung

immer am Meer entlang

Mobiler Kramerladen

irgendwo in der Poebene



Heute gehts über eine Pontonbrücke (auf Booten errichtet)


Ehrenpreis und (fette) Gänseblümchen

ein sehr spektakulärer Lost Place


Die 2 Madl mit Radl sagen ciao

Ein grosses Service fürs Rad beim Fahrradmeister